ACHTUNG!
Seit September 2011 sind neue Substanzen als Alternative zu Marcoumar zugelassen. Sie haben dies möglicherweise der (Laien)Presse entnommen. Dies betrifft aber nur bestimmte Indikationen und vorerst ausgewählte PatientInnen mit speziellen Problemstellungen. Es können und sollen sicher nicht alle PatientInnen umgestellt werden. Ich kann Sie in der Ordination über den aktuellen Stand informieren.
FAQ?
Ihr Arzt hat Ihnen Marcoumar verschrieben!
Was bedeutet die Einnahme dieses Medikamentes für Sie?
Was ist der INR?
Wer muss wissen, dass ich Marcoumar einnehme?
Beispiele für Indikationen für blutgerinnungshemmende Substanzen wie Marcoumar:
- Vorhofflimmern
- tiefe Venenthrombose
- Lungenembolie
- Herzklappenersatz
- und andere…
Marcoumar (enthält die Substanz Phenprocoumon) ist ein Medikament, das die Produktion von 4 der 13 Gerinnungsfaktoren (II, VII, IX, X) hemmt.
Die Folge ist eine Herabsetzung der Gerinnungsfähigkeit des Blutes, wodurch zum Beispiel gefährliche Erkrankungen wie Thrombosen oder Embolien verhindert werden können.
Die Gerinnungsfähigkeit kann (je nach Therapieziel) mehr oder weniger herabgesetzt werden; um das Ausmaß der Wirkung optimal in Kontrolle zu haben und um unerwünschte Nebenwirkungen (Blutungen, Blutergüsse… ) zu verhindern, muss regelmäßig die Blutgerinnung überprüft werden: Es gibt dazu verschiedene Tests, die seit ca. 1997 am besten als INR-Wert (international normalized ratio, eine Verhältniszahl) angegeben werden, um sie auch international (auf Reisen… ) vergleichen zu können.
Dieser INR wird alle 4-6 Wochen (in der Einstellungsphase öfter) mittels einer Blutabnahme (in meiner Ordination aus der Fingerbeere) kontrolliert. Die Werte werden in einen Gerinnungspass eingetragen. Ebenso wird in den Pass eingetragen, wie der Patient das Medikament einzunehmen hat.
Marcoumar wird im Unterschied zu anderen Medikamenten in einer Wochendosis (die im Pass genau aufgeschlüsselt wird, zum Beispiel Montag und Donnerstag 1/2 Tablette, sonst immer 1 Tablette) verschrieben. Diese Dosis kann sich von Patient zu Patient auch sehr unterscheiden, und selbst bei ein und demselben Patient sich im Laufe der Zeit verändern.
Grundsätzlich sollten Sie bei jeden Arztbesuch sagen, dass Sie Marcoumar einnehmen. Dies ist vor allem wichtig, falls Sie eine intramuskuläre Injektion erhalten sollen oder ein gelenk infiltriert werden muss.
Die häufigsten Fragen sind:
- Was passiert bei einem Unfall?
- Mein Zahnarzt will eine Wurzelbehandlung oder ähnliches durchführen?
- Ich werde operiert? Was passiert bei einer Schnittverletzung?
- Darf ich alles essen?
- Muss ich Vitamin K bei mir führen?
Grundsätzlich haben Sie immer den Pass bei sich, sodaß ein Ersthelfer bei Durchsicht Ihrer Unterlagen relativ schnell feststellt, dass sie Marcoumar einnehmen. Im Krankenhaus kann, falls es wirklich notwendig ist, z. B. mit Infusionen die Maroumarwirkung unterbrochen werden.
Im Falle einer geplanten Operation hängt es immer vom Operateur ab, ob er unter Marcoumar operieren kann/will. Falls der Operateur auf eine Absetzung des Medikamentes besteht, muss das Medikament in der Regel 7 Tage (bei einzelnen Patienten mehr als 7 Tage) pausiert werden, bevor die Wirkung aufgehoben ist.
DIES DARF NIE OHNE RÜCKSPRACHE MIT DEM BETREUENDEN ARZT ERFOLGEN.
Bei einer Schnittverletzung bluten Sie länger als jemand der kein Marcoumar einnimmt, aber es kommt zu keinem bedrohlichen Blutverlust.
Es ist heute in der Regel nicht mehr notwendig, wegen einer Marcoumartherapie eine Diät einzuhalten.
Vitamin K müssen Sie nicht bei sich führen (wirkt als Gegenmittel erst nach 24 Stunden).