Reisethrombose

...Risikofaktoren, Vorbeugung...

Reisethrombose

Eine häufige Frage in der Ordination, die vom Patienten selbst aufgeworfen wird, ist die Verhinderung von tiefen Beinvenenthrombosen bei längeren Reisen.

Ich beziehe mich in den folgenden Ausführungen auf die im Februar 2002 publizierten Richtlinien (Konsensuskonferenz der Deutschen-, Schweizer- und Österreichischen Gesellschaft für Angiologie Juni 2001).

Die unten stehenden Risikoklassen gelten nicht nur für Flugreisen, sondern für alle REISEN IN SITZENDER POSITION. Der Ausdruck „Economy class syndrome“ sollte nicht verwendet werden. Das Ereignis einer tiefen Venenthrombose ist relativ selten (in unterschiedlichen Studien 6- 24 mal bei 100.000 Reisenden bis zu 3 Wochen nach der Reise), soll aber im Einzelfall nicht unterschätzt werden. Bei jedem zehnten dieser Patienten , also bei 6-24 vom 1 Million Reisenden kommt es zu einer Lungenembolie (die Thrombose wird „verschleppt“).

Warnzeichen einer tiefen Beinvenenthrombose können sein: einseitige Beinschwellung, Schmerzen in der Wade beim Auftreten (u.a.).

Warnzeichen einer tiefen Lungenembolie können sein: Atemnot, Herzrasen, Bluthusten, Fieber (u.a.).

Im Zweifelsfall sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

 

1) Niedriges Risiko für Reisethrombose:

*Die Reise in sitzender Position dauert mehrere Stunden; beim Passagier bestehen keine zusätzlichen Risikofaktoren für tiefe Thrombose.

Thrombosevorbeugung: Allgemeinmaßnahmen (Beinübungen bzw. Unterbrechungen bei Autofahrten, ausreichende Flüssigkeitszufuhr und Reduktion der Alkoholzufuhr, eher Vermeiden von Schlaf- und Beruhigungsmitteln).

 

2) Mittleres Risiko für Reisethrombose:

Es besteht zusätzlich zu Punkt 1 einer der folgenden Faktoren:

*Schwangerschaft
*Alter über 60 Jahre
*eine relevante Herzkrankheit
*eine Familiengeschichte mit Beinvenenthrombosen oder Lungenembolie
*große Krampfadern oder chronische venöse Insuffizienz
*Fettsucht
*Austrocknung (zu wenig Flüssigkeitszufuhr)

Thrombosevorbeugung: Allgemeinmaßnahmen wie bei Punkt 1; Kompressionsstrümpfe; in manchen Fällen – wie Schwangeschaft oder Familiengeschichte mit Beinvenenthrombosen eventuell Vorbeugung mit niedermolekularem Heparin als Selbstinjektion (auf Rezept erhältlich).

3) Hohes Risiko für Reisethrombose:

Es besteht zusätzlich zu Punkt 1 einer der folgenden Faktoren:

*vorangegangene Beinvenenthrombose oder Lungenembolie
*Krebserkrankung oder schwere Erkrankung
*Ruhigstellung eines Beines (z.B. Gipsverband)
*kurz vorangegangener chirurgischer Eingriff mit erhöhtem Thromboserisiko (z.B.       Hüftoperation)

Thrombosevorbeugung: Allgemeinmaßnahmen wie bei Punkt 1, Kompressionsstrümpfe wie bei Punkt 2; Vorbeugung mit niedermolekularem Heparin als Selbstinjektion (auf Rezept erhältlich).

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Außer den in 1-3 genannten Faktoren gibt es auch weitere Parameter, die das Risiko beeinflussen und die Sie im Gespräch mit dem Arzt klären können (Hormontherapie, bekannte Neigung zur Thrombosebildung u.a.).

P.S.: Knöchelschwellungen nach längerem Sitzen sollten nicht mit einer Thrombose verwechselt werden. Hie können Kompressionsstrümpfe und eventuell bestimmte pflanzliche Venenmedikamente Hilfe bringen. Gerinnungshemmende Medikamente helfen hier NICHTS.